Einsiedler Ringer verpassten im Krimi Sensation knapp 

Die Ringerriege Einsiedeln unterlag im Halbfinal auch die zweite Begegnung nach einem ehrenvollen Auftritt in der Hölle des Löwen hauchdünn und verpasste  damit den Final. Die Entscheidung fiel erst im letzten Duell zugunsten der Gastgeber. 

W.S. Samstagabend Krimi, nicht im TV, sondern in der Sporthalle Willisau. In diesem spannenden Ringerfight führte Hitchcock bis zuletzt Regie. «Es ist vorbei, wenn es vorbei ist.» Mit diesem schwer zu widerlegenden Motto war die Ringerriege Einsiedeln zum Rückkampf in Willisau angetreten. Die Heimpartie hatte sie zuvor knapp mit 17:21 verloren. Am letzten Samstag war es dann soweit: Den Rückkampf gewann Willisau mit 20:18. Nun war alles vorbei und ausgeträumt. Die Einsiedler Ringer haben die Überraschung gegen den übermächtigen Konkurrenten aus der Schweizer Ringerhochburg zwar verpasst, aber dem Serienmeister alles abverlangt. Spannung war über zwei Stunden bis zum Schluss garantiert. Zum verrückten Match passt das furiose Ende. Zahlreiche Fans hatten die Einsiedler zu ihrem Auftritt in Willisau begleitet und gaben dem Team im brodelnden Hexenkessel vor 1’000 Zuschauern Rückhalt.  

Furioser Start 

Der Abend begann für die mitgereisten Fans vielversprechend. Alexander Golin, der diese Saison immer besser in Fahrt kam, hatte seinen Schultersieg gegen Tim Koch nach einer deutlichen 14:1-Führung nach 2:38 Minuten in der Tasche. Sven Neyer gelang mit einem 6:0 gegen Samuel Scherrer im Schwergewicht die erhoffte Schadensbegrenzung. Dabei lag er bei Halbzeit nur mit 1:0 im Hintertreffen. Sein jüngerer Bruder Lars Neyer, der einige Kilogramm abtrainieren musste,  zeigte eine starke Leistung.  Bei einem Rückstand von 1:3 vermochte er den Spiess zum Endstand von 5:3 umzudrehen. Damian von Euw, der gleich zu Beginn unglücklich einen Zähler abgeben musste, drehte gegen Daniel Häfliger immer mehr auf und holte mit herrlichen Überwürfen und Kopfklammern einen technisch überhöhten Sieg (19:1). Damit brachte er sein Team wieder zurück. Das Duell zwischen Jan Neyer und Mathias Martinetti verlief ausgeglichen. Neyer führte nach der ersten Runde mit 1:0.  Am Schluss lag er in diesem Abnützungskampf hauchdünn mit 2:1 vorne und brachte  sein Team bei Halbzeit 12:6 in Führung. Willisau hatte Glück, dass es nicht noch höher zurücklag. 

Verrückter Finish 

Wer geglaubt hatte, dass Einsiedeln damit das Pulver schon verschossen hätte, lag mit dieser Annahme völlig daneben. Einen tollen Fight lieferte Freistiler Andreas Burkard gegen den erfolgreichsten Mannschaftsringer Mansur Mavlaev. Er lag bei Halbzeit mit 6:3 vorne. Nach einer Viererwertung seines Kontrahenten verlor er etwas den Faden.  Mit 13:6 konnte der Willisauer seine dreijährige Ungeschlagenheit fortzusetzen. Kay Neyer kam gegen den defensiv eingestellten Florian Bissig in den ersten drei Minuten nicht so richtig in Fahrt und geriet mit 2:1 in Rückstand. Mit krachenden Beinangriffen lag er am Schluss mit 10:4 vorne.  Nach sieben von zehn Duellen lag Einsiedeln mit 16:10 in Front. Doch in der Crunchtime gelang Willisau wie schon im Hinkampf die Wende. Freistiler Yves Neyer musste aus taktischen Gründen in dem für ihn ungeliebten Greco gegen Michael Portmann antreten. Der Willisauer wusste um die Gefährlichkeit von Neyer und ging energisch zu Sache. Trotzdem holte Neyer gleich zu Beginn einen Wertungspunkt. Doch dann war es um ihn geschehen, und er vermochte nichts mehr Gleichwertiges entgegenzusetzen. Portmann holte anfangs der zweiten Runde einen Überlegenheitssieg (16:1). Mit einem Konter konnte Neyer aber punkten. Der Bennauer Naturbursche Jan Walker zeigte gegen den erfahrenen Jonas Bossert einen beherzten Kampf. Er gab nie auf und hielt stark dagegen. Unter dem Strich war es aber ein bisschen zu wenig. Er unterlag mit 8:0.  Beim Stande von 17:17 musste die Entscheidung im letzten Kampf des Abends fallen.  In einem offenen Schlagabtausch forderte Jan Faller dem  Internationalen Tobias Portmann alles ab und ärgerte ihn mehr als ihm lieb war. Nach der ersten Runde (4:4) durften die Einsiedler noch hoffen. Am Ende lag er aber gegen den völlig entfesselten Willisauer mit 16:6 zurück. Und so holte sich Willisau in extremis im brodelnden Hexenkessel das Schlussbouquet, das auch Einsiedeln verdient hätte. Beide Teams hatten fünf Siege auf ihrem Konto. «Hätte», «könnte», «sollten» zählten aber nichts mehr. Der Ausgang mag für die Einsiedler bitter schmecken. Aber es ist wie bei einer Medizin, die bitter schmeckt. Sie könnte helfen und das Team besser machen.   

Willisau steht damit mit zwei Siegen verdient im Final.  Einsiedeln hat sich tapfer gewehrt und nie aufgegeben. Das Team hatte dem Titelverteidiger zweimal einen heissen Kampf geliefert und mit dieser vorbildlichen Einstellung auch den Applaus und Respekt der Willisauer Fans geholt. Dass sich seine Kämpfer so gut aus der Affäre ziehen würden, durfte nicht unbedingt erwartet werden und machte Trainer Urs Bürgler froh: «Auch wenn wir den Final verpasst haben, gelang es uns, zu zwei spannenden Ringerabenden beizutragen.» So sparten auch die Luzerner Medien für Einsiedeln nicht mit Lob. «Das Team aus dem Klosterdorf präsentierte sich als starker Gegner, der leidenschaftlich rackerte und nahe an der Überraschung kratzte.»  Die Einsiedler kämpften mit Feuer und Herz, beseelt vom Glauben, den Sieg zu schaffen. Die Wahrheit stand aber zuletzt an der Anzeigetafel.  

Bronzekampf gegen Freiamt 

Mit den beiden Niederlagen sind die Einsiedler Ringer in der Realität angekommen. Und diese heisst, zwei Begegnungen gegen um den 3./4. Platz. Dabei trifft Einsiedeln wie schon 2022 auf Freiamt, das unerwartet gegen Kriessern den Final verpasste und damit eine grosse Enttäuschung erlebte. Einsiedeln nimmt wie schon in der Quali als Underdorg diese beiden Duelle in Angriff. Der Beginn des Hinkampfes in der Sporthalle Brüel ist am nächsten Sonntagnachmittag auf 15 Uhr angesetzt.  

Resultatübersicht: 

57 kg: Tim Koch– Alexander Golin 0:4 

61 kg: Timon Zeder – Lars Neyer  1:2 

65 kg: Matthias Martinetti – Jan Neyer 1:2 

70 kg: Florian Bissig – Kay Neyer 1:3 

75 kg: Jonas Bossert – Jan Walker 3:0 

75 kg: Tobias Portmann – Jan Faller 3:1 

80 kg: Michael Portmann – Yves Neyer 4:1 

86 kg: Mansur Mavlaev – Andreas Burkard 3:1 

97 kg: Daniel Häfliger – Damian von Euw 1:4 

130 kg: Samuel Scherrer – Sven Neyer 3:0 

Willisau – Einsiedeln 20:18 (41:35) 

Freiamt – Kriessern 17:14 (31:35) 

Final: 1./2. Platz 

Kriessern – Willisau 

3./4. Platz: 

Einsiedeln – Freiamt 

Werner Schönbächler