Der Sieg der Ringerriege Einsiedeln war im Rückkampf gegen Weinfelden nicht in Gefahr. Die Thurgauer kamen nie in die Reichweite einer Überraschung und klassierten letztlich eine nicht verhandelbare Niederlage.
W.S. Als Tabellenzweiter war Einsiedeln mit einer gegenüber bisher total veränderten Mannschaftsaufstellung nach Weinfelden gereist. Damt hat das Team den vierten Saisonsieg eingefahren. Weinfelden konnte zwar in den Kämpfen phasenweise gut mithalten, aber Niederlagen meistens nicht verhindern.
Die erste Halbzeit verlief für Einsiedeln nach Plan. Zum Auftakt kam Leichtgewichtler Robin Biederer mit seinen sauber vorgetragenen Angriffen gegen Nawid Haidari zu einem vorzeitigen Überlegenheitssieg (17:2). Damit nicht genug. Sven Neyer wollte ihm um nichts nachstehen. Es gelang ihm gegen Aaron Kiser einen Schultersieg realisieren. Für Stone Perlungher schien der erprobte Kämpfer Silvan Mühlethaler eine harte Nuss zu werden. Nach vorsichtigem Beginn lag Perlungher mit 2:0 vorn und konnte seinen völlig verblüfften Kontrahenten überraschend schultern. Darauf zündete der Italo-Einsiedler Davide Stanisci ein wahres Feuerwerk von Angriffen. Er gewann mit dieser Kampfweise gegen Hendrik Hofmann bald einmal technisch überhöht. Für seine tollen Angriffe konnte er die verdiente Ehrenrunde auf der Matte drehen. Freistiler River Perlungher musste mit dem einstigen Internationalen Urs Wild im Greco die Klingen kreuzen. Beide nahmen den Kampf mit viel Entschlossenheit in Angriff. Wild führte die etwas feinere Klinge und konnte sich mit 12:5 durchsetzen. Einsiedeln lag bei Halbzeit schon fast uneinholbar mit 17:3 in Führung und hatte damit die Weichen für den Gesamtsieg gestellt.
Konzentriert geblieben
Obschon die Einsiedler nicht mehr an ihre Leistungsgrenze gehen mussten, zeichneten sich noch brisante Duelle ab. Dass es zwischen Andreas Burkard und Robin Zwick eine knappe Angelegenheit werden würde, war aus den bisherigen Fights zwischen diesen beiden Freistilern bekannt. Zwick ging mit 4:0 in Führung und überlistete Burkard am Boden. Das was eine der ganz seltenen Niederlagen des Einsiedlers in den letzten Jahren. Man spürte förmlich, dass das Team diesen Ausrutscher möglichst schnell vergessen wollte. Doch im Ringen lässt sich keine Rechnung aufmachen, denn es muss immer alles einkalkuliert werden. Deshalb war zu grosse Selbstsicherheit fehl am Platz. So gingen die Einsiedler die weiteren Duelle hochkonzentriert an. Wesal Akbari zeigte im freien Stil seine Klasse und bezwang mit wirkungsvoll vorgetragenen Beinangriffen Gian Blaser durch technische Überlegenheit (15:0). Der zuverlässig wirkende Jan Walker hielt im 82 Kilo Greco Valentin Knes von Beginn weg sicher im Schach. Nach einer deutlichen Führung holte er mit dem Schultersieg das Punktemaximum. Mit herrlichen Würfen gab Jan Neyer technisch überhöht (16:0) Elias Bolzli das Nachsehen. Im letzten Kampf kam Stimmung in der Halle auf. Der Heimringer Domenik Keller konnte den auf Einsiedler Seite erstmals eingesetzten Jonas Kälin nach einem spannenden Fight mit 10:2 bezwingen und damit noch etwas Resultatkosmetik betreiben.
Die Zuschauer sahen trotz des klaren Erfolgs von Einsiedeln einige sehenswerte Kämpfe. Das Endergebnis von 10:30 liest sich unterm Strich aber deutlicher als es letztlich war. Einsiedeln verteidigte problemlos den für den Viertelfinal wichtigen zweiten Platz. Volker Hirt, ehemaliger deutscher Spitzenringer und jetziger Trainer von Weinfelden, zog den Hut vor den Gewinnern: «Einsiedeln war heute einfach besser, Respekt und Kompliment, sie haben sich den zweiten Rang der Qualifikation verdient.» Sein Antipode Urs Bürgler auf Einsiedler Seite analysierte kurz und bündig: «Der Kampf hat von Beginn weg eine Eigendynamik entwickelt, die in unsere Richtung ging.»
Spitzenduell in Untervaz
Zum Abschluss der Qualifikation treffen am Samstag in der Gruppe B Tabellenführer Kriessern und das Zweitplatzierte Einsiedeln aufeinander. Nach der 20:16-Niederlage im Hinkampf ist Einsiedeln mit vier Siegen den Rheintalern auf der Pelle geblieben. Für Spannung dürfte gesorgt sein. Wie schon 1993 findet die Begegnung in Untervaz statt. Damals standen sich die beiden Weltklasse-Athleten Hugo Dietsche und Einsiedelns bugarische Verstärkung Stoyan Dobrev gegenüber. Der «Einsiedler» konnte den viel beachteten Kampf durch technische Überlegenheit gewinnen. Es war eine der seltenen Niederlagen von Dietsche auf nationalem Boden. Der heute 58-jährige Bulgare weilt immer wieder in Einsiedeln und leitet die Trainings im griechisch-römischen Stil. Er erhielt vom Ringer-Weltverband schon die Auszeichnung «Welt-Trainer des Jahres». In seiner Trainerkarriere hat er 42 Medaillen mit seinen Athleten an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen gewonnen.
Der Ringerfight wird in der Mehrzweckhalle Untervaz (Beginn, 19 Uhr) ausgetragen.
Reserveteam mit zwei Siegen
Die zweite Mannschaft der Ringerriege Einsiedeln hatte in der fünften Runde in Kriessern zwei Kämpfe zu absolvieren. Die von Kay Neyer gecoachten Ringer hinterliessen dabei einen starken Eindruck. Wie schon im Hinkampf gewannen sie gegen Oberriet mit 13:17. Von den acht Duellen, die in der Regionalliga ausgetragen werden, gingen je vier an beide Teams. Dank der höheren Siege gewann Einsiedeln die Gesamtwertung. Nachdem die Begegnung gegen Winterthur im Hinkampf lange Zeit ebenbürtig verlief, liessen die Einsiedler diesmal nichts anbrennen und landeten einen deutlichen 25:6-Sieg. Damit hat Einsiedeln nach zehn Matches eine Runde vor Schluss, zusammen mit dem bisherigen Leader Weinfelden, punktegleich die Führung übernommen. Die Thurgauer verloren ihren ersten Kampf in dieser Meisterschaft gegen Kriessern mit 16:15.
Resultatübersicht:
(G=griechisch-römisch, F=Freisti)l
55 kg (G): Nawid Haidari- Robin Biederer 1:4
61 kg (F): Silvan Mühlethaler – Stone Perlungher 0:4
63 kg (G): Urs Wild – River Perlungher 2:1
70 kg (F): Gian Blaser – Wesal Akbari 0:4
72 kg (G): Elias Bolzli – Jan Neyer 0:4
79 kg (F): Dominik Keller – Jonas Kälin 3:1
82 kg (G): Valentin Knes – Jan Walker 0:4
92 kg (F): Robin Zwick – Andreas Burkard 4:0
97 kg (G): Hendrik Hofmann – Davide Stanisci 0:4
125kg (F): Niklas Blaser – Sven Neyer 0:4
Gruppe B:
Weinfelden – Einsiedeln 10:30
Kriessern – Ufhusen 31:9
Gruppe A:
Willisau – Oberriet
Schattdorf – Freiamt 10:25
Regionalliga:
Oberriet – Einsiedeln 13:17
Einsiedeln – Winterthur 25:6
Tabellen:
NLA
Gruppe A: 1. Willisau, 10 P., 2. Freiamt, 6 P., 3. Schattdorf, 4 P., 4. Oberriet, 0 P.
Gruppe B: 1. Kriessern, 10 P., 2. Einsiedeln, 8 P., 3. Weinfelden, 2 P., 4. Ufhusen, 0 P.
Regionalliga: 1. Einsiedeln, 18 P., 2. Weinfelden, 18 P., 3. Kriessern, 12. P., 4. Winterthur, 8 P., 5. Oberriet, 6 P., 6. Rapperswil, 4 P., 7. Zürich, 0 P.
Werner Schönbächler

