Die «Mission» des Playoff-Einzuges war ausgerufen. Dabei zeigte sich, dass der Sieg der Einsiedler im Hinkampf kein Zufall war. Auch das zweite Duell ging deutlich zugunsten von ihnen aus.
W.S. Nach dem ersten Duell vor zwei Wochen waren sich beide Teams sicher – das war’s noch nicht. Trotz der ungünstigeren Ausgangslage für den Rückkampf glaubten die Urner fest an ihre Chance, das Ding in Einsiedeln noch drehen zu können. Sie hatten nichts zu verlieren, sie konnten nur gewinnen. Beide Mannschaften packten alle taktischen Varianten für diesen Fight heraus. Die Brüelturnhalle platzte vor rund 600 Zuschauern aus allen Nähten. Schon vor Beginn machten beide Lager Stimmung für ihre Aktiven.
Geglückter Start
Für Einsiedeln begann es denkbar schlecht. Da im Leichtgewicht gleich beide Ringer nicht eingesetzt werden konnte, musste man eine Forfaitniederlage hinnehmen. Die Einheimischen zeigten darauf eine «Jetzt-erst-recht-Mentalität». Im Schwergewicht zwischen Sven Neyer und dem 125-Kilo-Koloss Christoph Waser zeichnete sich in der ersten Runde ein enger Kampf ab, in dem beide Ringer punkteten. Neyer lag mit 4:2 in Front. Im zweiten Abschnitt kam er mit einem wuchtigen Schleuder zu einem unerwarteten Schultersieg und revanchierte sich damit für die letztjährige Niederlage. Bei den herrlichen Würfen von River Perlungher stand die Halle Kopf. Er landete nach 2:20 Minuten gegen Sergio Gamma einen Schultersieg. Damian von Euw zeigte eine Kostprobe seines ganz grossen technischen Könnens. Er gewann gegen Flavio Herger vorzeitg technisch überhöht (15:0). Jan Neyer fand sich gegen Leon Kempf immer besser zurecht und siegte mit wuchtigen Überwürfen ebenfalls mit 15:0. Einsiedeln ging mit einem komfortablen 16:4-Vorsprung in den Pausentee. Der Einsiedler Ringernachwuchs erhielt für seine Vorführung viel Applaus.
Einsiedeln blieb konstant
Nach dem Hinkampf musste befürchtet werden, dass die Entscheidung noch längst nicht gefallen war. Doch bei Wiederanpfiff setzte Yves Neyer das erste Ausrufezeichen. Er behielt gegen Sven Epp nach einem harten Fight 2:1 das glücklichere Ende. Doch in den beiden nächsten Kämpfen brachten die Gäste die Einsiedler in Verlegenheit. Nach einer längeren Verletzungspause fand Lars Neyer nicht richtig den Tritt, geriet in Rückstand und verlor gegen Aaron Zberg mit 7:1. Eine kurze Aufmerksamkeit von Illia Pretetiatko wurde ihm in einem vorerst ausgeglichenen Duell gegen Yannick Epp zum Verhängnis. Der Urner konterte in der Bodenlage blitzschnell und kam zu seinem Schultersieg. Das Duell zwischen Jan Walker und Benjamin Gander war an Spannung kaum mehr zu überbieten und glich einem Ringerkrimi. Wie schon im Hinkampf legte der Urner vor. Wenige Sekunden vor Schluss gelang Walker der Ausgleich zum frenetisch bejubelten Sieg. Die letzten Hoffnungen von Schattdorf machte Pavel Untila zunichte. Der ausgezeichnete Techniker bearbeitet Lars Epp nach allen Regeln der Ringerkunst und siegte technisch überhöht (17:2).
Die Analyse nach diesem deutlichen Ergebnis fällt nicht schwer. Die Einsiedler Ringer waren sich der Brisanz des Abends bewusst. Sie gingen mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung in den Kampf, der wenig verheissungsvoll begann, doch zusehends besser verlief. Die Urner erhielten schon früh einen Nackenschlag und ihre Siegträume damit einen Dämpfer.
«Die Ringer haben voller Leidenschaft alles gegeben und aus sich herausgeholt. Diese beiden Attribute reichten zum deutlichen Sieg», bilanzierte Trainer Urs Bürgler. Doch befand er auch, dass der eine oder andere Kampf auch anders hätte verlaufen können.
Playoff-Halbfinals stehen fest
Eine Überraschung hatten die drei weiteren Viertelfinalkämpfe nicht parat. Willisau, Kriessern und Freiamt kegelten ihren Gegner deutlich aus dem Wettbewerb kegeln. Per Los wurd en die Halbfinal-Paarungen ermittelt. Gegner von Einsiedeln wird dabei Willisau sein. Das zweite Halbfinale bestreiten Freiamt und Kriessern. Als bisher einzige Teams sind Kriessern und Willisau in dieser Saison noch ungeschlagen. Um den 5./6. Platz duellieren sich Ufhusen und Schattdorf.
Die Halbfinals steigen bereits am kommenden Samstagabend, Heimrecht im Hinkampf haben Einsiedeln und Freiamt. Der Beginn der Begegnung in der Sporthalle Brüel ist auf 19 Uhr angesetzt.
Einsiedeln 2 holt den Titel
Nachdem 17:14-Sieg im Final-Hinkampf vor zwei Wochen gegen Schattdorf schien es nicht unmöglich, dass Einsiedelns zweite Mannschaft den Titelgewinn in der ersten Liga holen könnte. Dafür durfte das Team mit nicht mehr als zwei Punkten in der zweiten Begegnung verlieren. Die Verantwortlichen wussten, dass Schattdorf in den Gewichtsklassen mehrere Varianten hatte und ausgeglichen besetzt ist. Eigentlich waren die Urner der Top-Favorit auf den Titelgewinn. Einsiedeln erwischte einen guten Tag und wurde vom zahlreichen Publikum stark gepusht. Doch sah es zu Beginn gar nicht gut aus. Bei Halbzeit lag Einsiedeln mit 4:10 zurück. Als Einzige blieben die beiden Schwinger Silvan und Samuel Steinauer mit knappen Siegen erfolgreich. In der zweiten Halbzeit lief es den Einheimischen wie am Schnürchen. Sie konnten alle vier Kämpfe zu ihren Gunsten entscheiden. Mit 18:11 lagen sie am Ende deutlich vorne. Das reichte zum grossen Wurf. Mit viel Leidenschaft hat sich das von Kay Neyer gecoachte Team im Verlauf der Mannschaftsmeisterschaft stark gesteigert und nach einem harzigen Gewinn in der letzten Runde überraschend noch den Gruppensieg vor Weinfelden geholt. Dass sich die Mannschaft auch im zweiten Finalkampf durchgesetzt hat, erkannten die Gäste ohne Einschränkungen an. Von den acht Kämpfen – zwei weniger als in der Nationalliga – waren sie sechsmal erfolgreich. Der Gesamtsieg stand schon früh fest. Damit war ein Meilenstein erreicht: Einzug in die Nationalliga B. Die Verantwortlichen sind sich bewusst, dass der Aufstieg grosse organisatorische und sportliche Hürden mit sich bringt.
Resultatübersicht
(G=Griechisch-Römisch; F=Freistil)
55 kg (G): kein Gegner – Alizada Hossein 0:4
61 kg (F): River Perlungher – Sergio Gamma 4:0
63 kg (G): Jan Neyer – Leon Kempf 4:0
70 kg (F): Lars Neyer – Aaron Zberg 1:2
72 kg (G): Jan Walker– Benjamin Gander 2:1
79 kg (F): Pavel Untila – Lars Epp 4:1
82 kg (G): Illia Pretetiatko – Yannick Epp 0:4
92 kg (F): Yves Neyer – Sven Epp 2:1
97 kg (G): Damian von Euw – Flavio Herger 4:0
125 kg (F): Sven Neyer – Christoph Waser 4:0
Viertelfinals:
Einsiedeln – Schattdorf 25:13 (Gesamt, 45:28)
Ufhusen – Willisau 13:20 (16:54)
Weinfelden – Freiamt 15:23 (22:53)
Kriessern – Oberriet 19:16 (54:27)

