Dieser Fight war Werbung für das Ringen. In der vollbesetzten Sporthalle verlor Einsiedeln knapp mit 16:20. Trotzdem erhielt das Team am Schluss viel Applaus. Beide Mannschaften hatten je fünf Siege auf ihrem Konto.
W.S. Ringerherz, was willst du mehr? Eine brechend volle Sporthalle mit 400 Zuschauern, elektrisierende Stimmung, hochklassige und dramatische Kämpfe – selbst Hitchcock hätte nicht besser Regie führen können. Dabei entwickelte sich ein Duell auf Biegen und Brechen, das erst im letzten Kampf entschieden wurde.
Einsiedeln musste kurzfristig umstellen, da River Perlungher wegen einer Verletzung verhindert war. «Kriessern konnte hingegen aus dem Vollen schöpfen und hat all seine Trümpfe aufgeboten», berichtete Einsiedelns Trainer Urs Bürgler. Er hielt aber auch fest: «Unsere Ausgangsposition für die weiteren Qualifikationskämpfe hat sich deswegen nicht verschlechtert.» Viele Ringerfans haben nach dem letztjährigen Sieg im Halbfinal von Einsiedeln gegen Kriessern damit gerechnet, dass es eine knappe Angelegenheit werden würde. Die meisten lagen mit dieser Annahme goldrichtig.
Quäntchen Glück fehlte
Zum Auftakt ging Fliegengewichtler Stone Perlungher gegen Manuel Zäch konzentriert und taktisch diszipliniert ans Werk. Mit herrlichen Beinangriffen kam er zu einem technisch überhöhten Kamfperfolg (18:2). Im Freistil-Schwergewicht traf dann Sven Neyer auf Daniel Loher. Trotz rinnender Nase war Neyers 8:2-Sieg nie gefährdet. Nach diesem erfolgreichen Auftakt riss bei Einsiedeln vorübergehend der Faden. In der Klasse 60 Kilo, griechisch-römisch traf Robin Biederer stilartenfremd auf den russischen Klasseringer Dimitar Sandov. Da der beherzt kämpfende Biederer keine Wertungspunkte durchbringen konnte, kam der Rheintaler kurz vor Ende zu einem Sieg durch technische Überlegenheit.
Yves Neyer (97 kg) duellierte sich mit dem Alt-Internationalen und Neo-Kranzschwinger Ramon Betschart. Beide Athleten belauerten sich zuerst im Standkampf, ehe der Gastringer mit seinen Bodentechniken in Führung ging und 9:0-Punktesieger wurde. Habib Ayar Abdul, der den verletzten River Perlungher ersetzte, wehrte sich in einem wilden Kampf gegen Dominik Laritz, der auch ein erfolgreicher MMA-Fighter ist, mit allen Mitteln. Phasenweite schimmerte Habibs feine Technik durch. Es gelang ihm, bei der 20:5-Niederlage mit einem spektakulären Wurf einen Mannschaftszähler ins Trockene zu bringen. Zur Pause lag Einsiedeln mit 7:13 im Rückstand.
Einsiedelns Aufholjagd
Der 19-jährige Illia Pretetiatko lieferte dem Favoriten Fabio Dietsche einen über weite Strecken engen Kampf. Beide Athleten agierten mehrheitlich vom Stand, in dem der erfahrene und körperlich überlegene Rheintaler die feinere Klinge führte und mit 9:0 gewann. Die Gäste hatten darauf mit dem Junioren-Internationalen Levin Meier ein weiteres Trumpf-Ass im Ärmel. Doch entgegen den Erwartungen diktierte Jan Neyer das Geschehen und setzte seine Taktik diszipliniert um. Neyers Vorgabe lautete: Alles – nur keinen Vierer abgeben. Er kämpfte mit Push Outs verbissen und erreichte damit mit dem hauchdünnen 2:1-Sieg das Ziel. Dann war Einsiedelns Moldawier Pavel Untila gegen Artemi Utochkin an der Reihe. Schon nach 100 Sekunden war das Spektakel vorbei. Untila kam mit seinen blitzschnellen Angriffen und Beinschrauben zu einem Sieg durch technische Überlegenheit (16:0). Dann musste im 74 Kilo-Freistillimit Gino Gugolz gegen Michel Steger die Klingen kreuzen. Von beiden Ringern wurde Spektakel geboten. Dabei geriet Gugolz in Rückstand, schaffte aber 40 Sekunden vor Schluss den Ausgleich zum 8:8. Man spürte sichtlich, dass die Kräfte des Rheintaler nachliessen. Mit allen Mittel versuchte er sich ins Ziel zu retten. Angepeitscht von den Zuschauern holte sich der Einheimische mit einem verkehrten Ausheber und einem Überroler die Punkte zum 14:8-Sieg. Somit stand es vor dem letzten Kampf 15:17 für die Gastmannschaft. Dramatik pur war also zum Abschluss zwischen Jan Walker und Fritz Reber garantiert. Walker geriet gegen den Kaderringer in Rückstand, zeigte aber dennoch seinen unerschüttlichen Kampfwillen. Mit zwei herrlichen Würfen riss er die Zuschauer von den Sitzen und kam damit näher. Am Ende dieses harten Fights lag der Gast mit 17:8 vorn, womit Kriesserns Sieg feststand.
Trotz dieser Niederlage darf der leidenschaftliche Einsatz der Einsiedler Ringer gewürdigt werden. Man hat den favorisierten Gästen nichts geschenkt, erbitterten Widerstand geleistet und mithalten können.
Auch wenn viele mit dem Unparteiischen nicht immer einverstanden waren, haben die Einsiedler ab und zu unnötig Punkte liegen gelassen. Dies gab letztlich den Ausschlag für die Gäste. Mit je fünf Siegen und Niederlagen zeigten beide Teams Ringkampfsport vom Feinsten. Herz, Kampfgeist und Team Spirit waren keine leeren Floskeln. Das war hochklassige Werbung für das Ringen, waren sich die Zuschauer am Ende einig. Sie würdigten mit einem Schlussapplaus den Kampfgeist und den grossen Einsatz der Einsiedler Ringer. «Es war letztlich ein knappes Ergebnis, ein knapper Sieg meines Teams wäre mir natürlich lieber gewesen», sagte Einsiedelns Trainer Urs Bürgler.
Auswärts gegen Ufhusen
Am nächsten Samstagabend wird bereits die Rückrunde in Angriff genommen. Einsiedeln gastiert dabei in Ufhusen, einer politischen Gemeinde im Wahlkreis Willisau. Die Luzerner Hinterländer stehen erstmals in der höchsten Kampfklasse. Letzte Saison schafften sie den nicht unbedingt angestrebten Aufstieg. Doch das Team stellt sich dieser nicht leichten Aufgabe und versucht das Beste herauszuholen. Obschon sie nach drei Runden noch punktelos dastehen, haben sie einige starke Athleten in ihren Reihen. Die Einsiedler tun jedenfalls gut daran, das Team nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wenn sie die beiden bugetierten Punkte holen wollen.
Sieg und Niederlage
Die zweite Mannschaft der Ringerriege Einsiedeln trat zur dritten Runde der Regionalliga in Uznach an. Dabei gab es je einen Sieg und eine Niederlage. Nach der deutlichen 20:11-Niederlage gegen Weinfelden kam es gegen Rapperswil zu einer engen Angelegenheit. Am Ende lag Einsiedeln dank eines starken Endspurts hauchdünn mit 16:15 vorn. Damit führt das Team gemeinsam mit Weinfelden die Tabelle an. Die Thurgauer haben allerdings eine Begegnung weniger bestritten.
Resultatübersicht:
F=Freistil, G = griechisch-römischer Stil
57 kg (F): Stone Perlungher – Manuel Zäch 4:1
60 kg (G): Robin Biederer – Dimitar Sandov 0:4
65 kg (F): Habib Ayar Abdul- Dominik Laritz 1:4
67 kg (G): Jan Neyer – Levin Meier 2:1
74 kg (F): Gino Gugolz – Michel Steger 2:1
77 kg (G): Jan Walker – Fritz Reber 1:3
87 kg: (F): Pavel Untila – Artemi Utochkin 4:0
97 kg (F): Yves Neyer – Ramon Betschart 0:3
130 kg (G): Sven Neyer – Daniel Loher 2:1
Resultatübersicht, 3. Runde:Gruppe B:
Einsiedeln – Kriessern 16:20
Ufhusen – Weinfelden 12:25
Tabelle: 1. Kriessern, 6 P., 2. Einsiedeln, 4. P., 3. Weinfelden, 2 P., 4. Ufhusen, 0
Gruppe A:
Willisau – Schattdorf 28:7
Freiamt – Oberriet 27:14
Tabelle: 1. Willisau, 6 P., 2. Freiamt, 4 P., 3. Schattdorf, 2 P., 4. Oberriet 0 P.
Regionalliga:
Einsiedeln – Weinfelden 11:20
Einsiedeln – Rapperswil 16:15
Tabelle: 1. Einsiedeln, 10 P., 2. Weinfelden, 10 P., 3. Kriessern 8 P.
Werner Schönbächler

