Swiss Winforce League: Playoff-Halbfinal, Rückkampf: Willisau – Einsiedeln 21:14

Ringerriege Einsiedeln unterliegt auswärts und verpasst den Final um drei Punkte.

1’020 Zuschauer fieberten mit, die Nerven lagen blank. Erst der letzte Kampf entschied für Willisau. Einsiedeln war über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner.

W.S. Für die Ringerriege Einsiedeln endetet ein hart geführtes Duell letztlich bitter. Obwohl aus der Finalqualifikation nichts geworden ist, verabschiedeten die Fans beider Lager den Verlierer mit einem kräftigen Applaus in die Garderobe. Das Publikum war in der prallgefüllten Ringerarena Zeuge einer intensiven Begegnung zwischen Willisau und Einsiedeln. Die Einsiedler haben bis zur letzten Sekunde dem Rekordmeister Paroli geboten und bis aufs Letzte gefightet. Volle Leidenschaft gegeben und aus alles aus sich herausgeholt. Doch es reichte nicht. Der eine oder andere Kampf hätte ein bisschen mehr für Einsiedeln laufen können. Einige Entscheide des Schiedsrichter-Trios sorgte denn auch für Diskussionen.  Begeistert von der «geilen Halle und Stimmung» zeigten sich auch die Zuschauer. Das war tolle Werbung für das Ringen.

Rückstand

Im Einsiedler Lager rechnete man damit, dass Willisau wieder mit dem bis dahin verletzten Samuel Scherrer antreten wird. Somit hiess die Devise der Einsiedler, die von den etwa 300 mitgereisten Fans lautstark unterstützt wurden, möglichst wenig Punkte abzugeben. Diese Taktik ging allerdings nicht immer auf. Leichtgewichtler Lars Neyer, der einige Kilos abkochte,  unterlag Austauschringer Sandor Dimitar technisch überhöht. Der grosse Taktiker  Andry Vishar kam  gegen Marco Riesen zu einem hart erkämpften 2:0-Erfolg. «Marco kennt meine Griffe und ich musste höllisch aufpassen, keinen Punkt abzugeben», sagte der gebürtige Ukrainer. Einsiedeln blieb weiter dran. In einem begeisternden Kampf, der alles auf den Kopf stellte, geriet Michel Schönbächler mit einer  Viererwertung gegen den eingebürgerten Bulgaren Mansur Mavlaev in Rückstand. Mit herrlichen Kopfklammern konnte er gleichziehen und am Ende die Matte als glücklicher 5:4- Sieger verlassen.  Das war eine unglaubliche Willensleistung. «Wie schon im Hinkampf ging es für mich letztlich knapp auf», freute sich Schönbächler.  Er hat damit ein weiteres Zeichen für seine Mannschaft gesetzt. Nach einem zumindest noch anfangs ausgeglichenen Duell verlor Sven Neyer gegen den Internationalen Samuel Scherrer immer mehr den Faden und wurde ausgepunktet (16:1). Zum Zorn der Einsiedler Fans wurde Scherrer vom  Unparteiischen eine wohl vermeintliche Viererwertung für einen Wurf mit Beineinsatz gegeben. Im Schwingen wäre es ein perfekter Kurz gewesen. Jan Neyer, der einige Kilos reduzierte, handelte sich gegen Michael Portmann einen schnellen Rückstand ein. Mit grossem Kampfgeist blieb er seinem Gegner auf den Fersten. Zuletzt unterlag er knapp mit 9:5. Bei Halbzeit führte Willisau mit 11:6 und lag damit in der Gesamtwertung einen Punkt vorne.

Einsiedelns Effort

Nach der Pause baute Willisau den Vorsprung zu Beginn weiter aus.  Andreas Burkard unterlag Olympiakandidat Stefan Reichmuth nach einer äusserst intensiven Begegnung mit 11:0. «Da er mir körperlich überlegen war, musste ich froh sein, keine vorzeitige Niederlage einstecken zu müssen», erklärte Burkhard. Dann kam der grosse Auftritt des Einsiedler Tschetschenen Saifulla Avtorkhanov. Bereits nach 13 Sekunden konnte er Mirco Studer nach einem blitzschnell ausgeführten Beinangriff schultern. Mit einer kurzen Täuschung und einem Taucher zum Fuss hatte er seinen Gegner erwischt. Das war perfektes Ringen. «Das es so schnell gehen würde», habe ich nicht erwartet», antwortete er selber verblüfft.  Im Duell zweier Gecoringer holte der eminent bissige Jonas Bossert mit seiner feinen Technik gegen Lukas Schönbächler einen Sieg durch technische Überlegenheit (17:2).  Schönbächler liess sich aber nicht gleich überrumpeln und buchte gleich zu Beginn eine Zweierwertung.

 Der Knallerkampf zwischen Yves Müllhaupt und Andreas Vetsch, den beiden Austauschringern aus der Ostschweiz, stand lange Zeit auf Messers Schneide. In diesem spektakulären Fight ging es drüber und drunter. Beide Ringer hatten am Ende je neun Punkte auf ihrem Konto. Müllhaupt siegte, da er die letzte Wertung holte. Beim Stande von 19:13 musste die Entscheidung im letzten Kampf fallen. Für den Finaleinzug hätte Einsiedeln ein 2:0-Sieg genügt. Adrian  Mazan geriet gegen den defensiv eingestellten Tobias Portmann in Rückstand, konnte aber wieder gleichziehen. Die Nerven lagen auf beiden Seiten blank. Obschon Mazan versuchte, seinem Widersacher seinen Kampfstil aufzuzwingen, musste er eine umstrittene 3:2-Niederlage hinnehmen. Er hätte nur allzu gerne für sein Team einen Sieg geholt. «Da mein Gegner meistens im Rückgang war, konnte ich meine zurechtgelegte Taktik nicht durchziehen», kommentierte er sichtlich enttäuscht seinen Kampf.

Fazit: Die beiden spannenden Fights zwischen diesen beiden Teams brachte zuletzt doch noch den erwarteten Sieger. Willisau verfügt mit drei Kaderringern, je zwei einstigen Internationalen und eingebürgerte Bulgaren das grösste und beste Kader im Schweizer Ringsport. Mit diesem Team nehmen sie den Final gegen Kriessern als klarer Favorit in Angriff.

Spannung pur

Wer bis zum letzten Samstag geglaubt hatte, Ringen sei eine Randsportart, die zwar Respekt, aber kaum Beachtung findet, wurde in Willisau eines Besseren belehrt. Je zwei Fernseh- und Radiostationen und zahlreiche schreibende Journalisten sowie 1’020 Zuschauer untermauerten nämlich genau das Gegenteil. Es war einfach der Wahnsinn, was in der topmodernen Sporthalle abging. Es war ein emotionaler und hochstehender Fight, der bis zum Schluss fair blieb, für Einsiedeln aber bitter endete. Doch bereits zehn Minuten nach dem Ende waren die Gifteleien kein Thema mehr und es ging wieder friedlich zu und her.   

 

Resultatübersicht:

57 kg:                Sandov Dimitar – Lars Neyer 4:0

61 kg:                Mavlaev Mansur – Michel Schönbächler 1:2

65 kg:                Michael Portmann – Jan Neyer 2:1

70 kg:                Mirco Studer – Saifulla Avtorkhanov 0:4

74 kg:                Andres Vetsch – Yves Müllhaupt 1:2

74 kg:                Tobias Portmann – Adrian Mazan 2:1

80 kg:                Jonas Bossert – Lukas Schönbächler 4:1

86 kg:                Stefan Reichmuth – Andreas Burkhard 3:0

97 kg:                Samuel Scherrer – Sven Neyer 4:1

130 kg:             Stefan Reichmuth – Andry Vishar 0:2

 

Willisau – Einsiedeln 21:14 (Gesamt 38:35)

Freiamt – Kriessern 17:17 (Gesamt 30:41)

Auf-/Abstiegskampf:

Brunnen – Schattdorf 22:16

 

Jetzt gegen Freiamt

W.S. Nach dem verpassten Finaleinzug kämpft die Ringerriege Einsiedeln gegen Freiamt in zwei Begegnungen um die Bronzemedaille. Der Hinkampf findet am nächsten Sonntagnachmittag in Einsiedeln (Beginn, 15 Uhr) statt. Die Aargauer, die in der Qualifikation zweimal gegen Einsiedeln gewonnen haben, waren im Halbfinal völlig von der Rolle. Sie werden wohl alles daran setzen, um sich wieder in einem besseren Licht präsentieren zu können. Die Einsiedler Ringer liebäugeln mit dem Gewinn der Bronzemedaille.

 

Werner Schönbächler