Playoff-Start läutet heisseste Phase der Saison ein. Mit dem Playoff-Halbfinal beginnt eine «neue» Saison. Die Ringerriege Einsiedeln empfängt zum Hinkampf Willisau und setzt auf eine brodelnde Halle.
W.S. Eine grosse Überraschung hatten die Viertelfinal-Rückkämpfe vor einer Woche nicht mehr parat. Halbfinalgegner der Einsiedler wird der mehrfache Meister Willisau, der seine Ambitionen auf eine Titelverteidigung eindrucksvoll untermauerte und mit zwei deutlichen Siegen über Ufhusen nicht auch nur den kleinsten Zweifel über das Weiterkommen aufkommen liess.
Willisau ist der dominierende Verein im Schweizer Ringkampfsport mit sechs Titelgewinnen in Serie. Insgesamt wurden die Luzerner 19-mal Mannschaftsmeister. Der letzte Titel sicherte sich der Rekordmeister 2025 in zwei umkämpften Finalfights (17:21/18:16) gegen Einsiedeln. Eine Überraschung lag lange Zeit in der Luft. Einsiedeln führte im Rückkampf nach der ersten Hälfte mit 10:7. Die Entscheidung fiel erst im letzten Duell zugunsten von Willisau.
Ist eine Nervensache
Achtung, jetzt gibt es eine ganz heisse Kiste! Die Griffkünstler beider Teams wollen ein weiteres Kapitel schreiben. Es geht um die Wurst, um den Finaleinzug. Nun lautet die Devise: Siegen oder fliegen. Es wird knistern und brodeln. Funktionäre, Trainer und Ringer sind angespannt, freuen sich einerseits auf den Hinkampf in diesem Kracher-Duell, anderseits aber ist die Spannung vor diesem Fight auf Augenhöhe natürlich riesig. Jetzt gilt es die richtige Balance zu finden. Ein Fehler kann schon das Ende bedeuten. Das kostet Nerven. Beim Rekordmeister weiss man genau, wie es ist und wie es sich anfühlt, wenn es in die entscheidende Phase des Titelrennens geht. «Jeder ist nun voll fokussiert, jeder will gewinnen, jeder muss 110 Prozent geben», lässt Einsiedelns Trainer Urs Bürgler wissen. Doch je näher der Kampf rückt, desto ungemütlicher wird es. Urs Bürgler versucht es im Vorfeld mit Humor, um die enorme Anspannung etwas zu lösen, den Stress ein wenig beiseite zu schieben. Vielleicht wäre auch Baldrian ein Rezept zur Beruhigung.
Einsiedeln könnte es eigentlich ruhig angehen. Mit dem Erreichen des Playoff-Halbfinals hat das Team das Saisonziel erreicht und alles, was jetzt noch kommt, ist schlicht und einfach ein zusätzlicher Bonus. Einsiedeln hat alles gegeben, um in den Halbfinal einzuziehen.
Der ewige Aufstellungspoker
Der Aufstellungsfrage, die im Mannschaftsringen eine zentrale Rolle spielt, hat es für beide Teams in sich. Willisau ist auf dem Papier mit mehreren Kaderringern besser besetzt, was die Einsiedler natürlich wissen. Doch mit grossem Kampfgeist vor eigenem Publikum ist vieles möglich. Weiter hofft Einsiedeln einen Sahnetag zu erwischen. «Wir geben unser Bestes, dann sehen wir weiter», sagt Bürgler.
Natürlich rechnet sich Einsiedeln Chancen aus, sonst bräuchten sie gar nicht auf die Matte zu gehen. Es gibt kein 3:1 oder so. Eine Prognose, wie am Ende das Duell ausgehen wird, ist äusserst schwierig. Erst am Samstagabend gegen 21 Uhr weiss man mehr. Was man aber weiss, die Zuschauer bekommen einen «echten Leckerbissen» serviert. Das haben sich die Fans beider Lager auch verdient.
Die Einsiedler hoffen mit dem Publikum im Rücken über sich hinauswachsen zu können. Wer weiss, vielleicht gelingt ihnen mit den Anhängern als wertvolles Faustpfand im Rücken eine Überraschung. Die Ringer hoffen auf zahlreiche Unterstützung zählen zu dürfen. Der Beginn ist auf 19 Uhr in der Sporthalle Brüel angesetzt.
Ehemaliger Einsiedler in UFC
Robert Valentin, genannt «Robzilla», der mit der Ringerriege Einsiedeln in der Mannschaftsmeisterschaft mehrmals im Einsatz stand, ist heute als professioneller MMA-Kämpfer international und bei der UFC, der grössten Kampfsportorganisation der Welt, im Einsatz. Er lebt in Las Vegas und hat neben einem weiteren Schweizer einen UFC-Vertrag. In der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche» gibt er in einem dreiseitigen Interview Auskunft über den boomenden Sport, für den in Amerika 7.7 Milliarden Dollar für Übertragungsrechte bezahlt worden sind. Wenn es ihm die Zeit lässt und in der Schweiz weilt, ist er als Zuschauer an Ringeranlässen und Schwingfesten anzutreffen.
Werner Schönbächler
Werner Schönbächler

