Einsiedelns Auswärtskampf endete mit einem Happy End, Schattdorf – Einsiedeln 15:20

Einsiedeln schlägt Schattdorf auswärts in Beckenried mit 15:20 und holt damit den ersten Sieg im Viertelfinal. Doch ein Fünf-Punkte-Vorsprung bedeutet im Ringen nicht allzuviel. Beide Teams hatten je fünf Siege auf ihrem Konto.

W.S. Manchmal liegen Frust und Freude im Sport nur wenig auseinander. Vor einer Woche verlor Einsiedeln gegen Kriessern deutlich und vergab damit den Sieg in der Qualifikation. Nur sieben Tage später schlug die Stimmung um. Trotzdem haben die Einsiedler Ringer damit noch gar nichts erreicht. Sie können einfach froh sein, sich für den Rückkampf in eine günstige Ausgangslage manövriert zu haben. Bis es allerdings soweit war, wurden einige Nervenkostüme markanten Belastungstests in der prallgefüllten Sporthalle unterzogen.

Gelungener Auftakt

Der Fight bot abwechslungsweise hochstehende Kämpfe. Besonders die Moral der Wettkämpfer beider Teams war bemerkenswert. Sie haben auch bei Rückständen nie aufgegeben. Äusserst spektakulären Ringsport zeigte der 20-jährige Leichtgewichtler Stone Perlungher, ein ehemaliger US-College-Ringer und MMA-Fighter. Er legte gegen Alizada Hossein los wie die Feuerwehr, führte schnell einmal und kam zu einem Überlegenheitssieg (16:0). Gespannt war man im Schwergewicht auf den ersten NLA-Kampf von Damian von Euw, der für längerer Zeit in Russland und China trainierte. Im Duell gegen den 130 Kilogramm schweren Koloss Christoph Waser gab er keine Wertung ab und siegte bald einmal mit einer Serie von Überrollern technisch überhöht (16:0). In einem äusserst intensiven Kampf konnte sich Robin Biederer mit 5:1 überraschend gegen Sergio Gamma durchsetzen. Im wohl spannendsten Duell des Abends holte Andreas Burkard acht Sekunden vor Kampfende die nötige Zweierwertung zum 8:6-Sieg. Was für eine Kracher zu Beginn mit vier Siegen. Dann drehte sich das Pendel zugunsten von Schattdorf. Der aktuelle WM-Teilnehmer Thomas Epp musste gegen River Perlungher alles auf eine Karte setzen. Die Devise für Perlungher hiess, in der ersten Runde möglichst wenige Wertungen abzugeben, was ihm ganz gut gelang.  Doch dann führte der Urner  technisch die etwas feinere Klinge, spielte damit seine Stärken aus und gewann mit 10:2. EMit diesem Sieg lag Einsiedeln bei Halbzeit mit 5:13 vorne.

Schattdorfs Aufholjagd

Nach der Pause verkürzte Yannick Epp mit 5:2 gegen Sascha Schmid auf 7:14 aus Schattdorfer Sicht. Schmid hielt seinem favorisierten Konkurrenten aber stark dagegen. Ähnlich erging es Jan Neyer gegen Aron Zberg, der das spannende Duell hauchdünn mit 3:1 für sich entscheiden konnte. Gücklicherweise haben die Einsiedler in dieser Crunchtime kühlen Kopf bewahrt. Pavel Untila gab dann gegen Sven Epp wie erwartet den Ton an und krönte seine makellose Leistung zwei Sekunden vor Ablauf mit einem Schultersieg. Doch durfte sich Einsiedeln damit noch keineswegs auf der Siegerstrasse fühlen. Die Begegnung zwischen Wesal Akbari und dem körperlich überlegenen Aaron Zberg entwickelte sich zu einer einseitigen Angelegenheit. Mit wirkungsvollen Beinangriffen kam Zberg zu einem technisch überhöhten Sieg (16:0). Das letzte Duell des Abends zwischen Jan Walker und Benjamin Gander begann mit einem Paukenschlag. Walker wurde nach wenigen Sekunden mit einem Überwurf erwischt und lag mit 8:0 zurück.  Doch blieb er hartnäckig, liess keinen Zähler mehr zu und konnte die Niederlage mit 8:3 in Grenzen halten.  Damit war der 20:15-Sieg von Einsiedeln besiegelt.

Einsiedelns Trainer Urs Bürgler nahm das Wort «Genugtuung» in den Mund. «Wir haben in einigen Kämpfe Berge versetzt und handkehrum nicht erwartete Niederlagen eingezogen», lautete sein Fazit. Obschon der zahlreiche Anhang besonders in der zweiten Halbzeit gestresst wurde, konnten er am Ende frohlocken.  

Etwas anders war die Gefühlslage bei Schattdorf. Doch der Viertelfinal ist noch keineswegs entschieden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Urner von dieser Niederlage erholen werden.

Einsiedeln 2 legte vor

Im Vorkampf kam es zum ersten Duell zwischen den beiden Reserveteams von Schattdorf und Einsiedeln, was rein zufällig war. Beide konnten sich in der Regionalliga in ihren Gruppen den Sieg holen und machen nun den Titelgewinn in einem Hin- und Rückkampf unter sich aus. Für Einsiedeln sah es nach drei Startniederlagen alles andere als verheissungsvoll aus. Der 16-jährige Silvan Steinauer leitete die Wende mit einem Schultersieg ein. Dabei kamen seine schwingerischen Qualitäten zum Vorschein. Mit einem herrlichen inneren Haken legte er Pius Gamma auf den Rücken.  In der zweiten Hälfte konnte Einsiedeln drei von vier Kämpfe zu seinen Gunsten entscheiden.  Damit endete das erste Aufeinandertreffen mit einem glücklichen 17:14-Sieg für Einsiedeln. Die Entscheidung um den Titelgewinn wird damit im Rückkampf fallen.  

Beste Ringer des Abends

Bei der Ringerriege Schattdorf wird die Auszeichnung «Ringer des Matches» von einer Fachjury für beide Teams vergeben. In der ersten Mannschaft von Einsiedeln avancierte der 20-jährige River Perlungher, der mit seinen blitzschnellen und sauber ausgeführten Techniken seinen Gegner aus dem Weg räumte. Im Reserveteam war es der Maurerlehrling Silvan Steinauer. Neben dem Schwingen verriet er nun auch im Ringen sein Feingefühl für den Kampfsport. Er hat in einem schwierigen Moment die Ruhe bewahrt, Verantwortung übernommen und mit seinem Sieg die Wende für sein Team eingeleitet. 

Rückkämpfe in zwei Wochen

Trotz des Sieges von Einsiedeln dürfte das Tüfteln bei der Mannschaftsaufstellung mit dem Stilartenwechsel im Rückkampf bei beiden Teams weitergehen. Nachdem Einsiedeln den ersten Sieg auf dem Konto hat, ist der Rückkampf so richtig lanciert. Die Einsiedler dürfen sich gegen Schattdorf keine Schwächen leisten, wenn sie in den Halbfinal einziehen wollen.

Die Ausgangslage von Einsiedeln 2 präsentiert sich gleich. Der Gesamtsieg ist auch hier noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Für Spannung in den beiden Rückkämpfen in der Sporthalle Brüel am 31. Oktober ist damit gesorgt, so ganz nach dem Gusto der Zuschauer.

Resultatübersicht

57 kg (F):         Alizada Hossein – Stone Perlungher 0:4

60 kg (G):        Sergio Gamma – Robin Biederer 1:2

65 kg (F):         Thomas Epp – River Perlungher 3:1

67 kg (G):        Michael Epp – Jan Neyer 2:1

74 kg (F):         Aron Zberg – Wesal Akbari 4:0

77 kg (G):        Benjamin Gander – Jan Walker 2:1

86 kg (F):         Sven Epp – Pavel Untila 0:4

87 kg (G):        Yanick Epp – Sascha Schmid 2:1

97 kg (F):         Nicolas Christen – Andreas Burkard 1:2

130 kg (G):      Christoph Waser – Damian von Euw 0:4

Viertelfinal (Hinkämpfe):

Schattdorf- Einsiedeln 15.20

Willisau – Ufhusen 34:3

Freiamt – Weinfelden 30:7

Oberriet – Kriessern 11:25

Regionalliga, Hinkampf: Final

Schattdorf – Einsiedeln 14:17

Werner Schönbächler