Von der Ringerriege Einsiedeln schafften Stone Perlungher (2.), Pavel Untila (6.) und Damian von Euw (9.) den Sprung in die Top Ten des Einzelklassements, was ein Achtungserfolg ist.
W.S. Der Rangliste des Einzelklassements der Mannschaftsmeisterschaft kommt aus verschiedenen Gründen keine so grosse Bedeutung wie in anderen Sportarten zu. So kann ein Ringer nicht immer in seinem bevorzugten Stil eingesetzt werden, weil bei der Aufstellung persönliche Werte in den Hintergrund rücken. So wurde etwa Freistiler Kay Neyer öfter im griechisch-römischen Stil eingesetzt. Er nahm das, wie andere Ringer auch, ohne Murren entgegen und stellte sich in den Dienst der Mannschaft.
Perlungher Bester
In der Gesamtwertung von 138 rangierten Athleten siegte Michael Portmann, Willisau, (13 Siege, 0 Niederlagen, 46 Punkte) knapp vor Stone Perlungher (12 Siege, 2 Niederlagen, 44 Punkte). Insgesamt wurden 14 Kämpfe berücksichtigt. Der 19-jährige Amerika-Schweizer Perlungher war im Leichgewicht ein sicherer Wert für Einsiedeln. Er konnte sich gegenüber der letzten Saison deutlich steigern. Zuvor lebte er zusammen mit seinem älteren Bruder River Perlungher in den USA und hat dort die High School besucht und zweimal täglich gerungen. Dort gibt es aber keinen Frei- und Grecostil. Es wird im populären Folkstyle gekämpft, der ein wenig anders ist. Die Umstellung ist ihm in der Schweiz schnell gelungen. Das liegt daran, dass er vor seiner Zeit in den USA bereits einmal in der Schweiz gerungen hat. Weiter hat er in Amerika auch Erfahrungen in anderen Kampfsportarten wie etwa MMA gemacht. Wohin sein weiterer Weg führt, wird sich zeigen.
Der gebürtige Moldawier Pavel Unita klassierte sich mit zehn Siegen und ohne Niederlage im sechsten Rang. Er wurde in der Qualifikation viermal nicht eingesetzt. Mit diesem Leistungsausweis darf er zurecht als «Mister Zuverlässig» bezeichnet werden. Greco-Spezialist Damian von Euw schaffte den neunten Rang (10 Siege, 1 Niederlage, 36 Punkte). Wegen Teilnahmen an internationalen Turnieren stand er dreimal nicht auf der Matte. Weiter klassierten sich Kay Neyer (24.), Sven Neyer (29.) River Perlungher (32.), Andreas Burkard (34.), Jan Walker (40.), Lars Neyer (42.), Jan Neyer (48.) und Yves Neyer (52.) in der ersten Ranglistenhälfte. Insgesamt standen 20 Einsiedler an der Mannschaftsmeisterschaft im Einsatz. Dabei wurde auch einigen Nachwuchsringern die Gelegenheit gegeben, erstmals in der höchsten Liga zu schnuppern.
Willisau holte sich seinen 19. Meistertitel
Also doch wieder Willisau. Sie gewannen den Final. Einsiedeln hat sich von der Niederlage im Hinkampf gut erholt und das zweite Duell nur knapp verloren. Das Team hatte die Hände nahe am Siegerpokal.
W.S. So logisch der Titelgewinn für viele war, so beschwerlich war der Weg für Willisau zum Gipfel. Einsiedeln vermochte die Luzerner zu fordern und bis an den Abgrund zu drängen. Doch letztlich ging die Rechnung für die «Klosterdöfler» um lediglich zwei Zähler nicht auf. Das Team mischte die Qualifikation und ganz besonders den Playoff-Halbfinal mit tollem Ringen auf und hatte das nötige Quäntchen Glück auf seiner Seite. Der Gesamtsieg fusste auf Kampf und Leidenschaft. Es hat bis zuletzt Playoff-Charakter gezeigt und damit eine Begeisterungswelle bei den Fans ausgelöst. So hatte Kriessern in einem wahren Krimi das Nachsehen. Willisau konnte den Final buchstäblich im allerletzten Moment gewinnen. Es war schon bewundernswert, wie die Ringer ihre Gewichte um Kilos reduzierten, um eine starke Mannschaft auf die Matte zu bekommen.
Die Ringerriege Einsiedeln war eine verschworene Einheit und zuletzt eine grosse Verliererin. Im Final hat das Team von Urs Bürgler nichts unversucht gelassen, um doch noch die Kurve zu kriegen. Doch letztlich hat es nicht ganz gefruchtet, obschon der ultimative Siegeswillen bei den Ringern da war. Im Klub war man vor dem Start einhelliger Meinung, dass ein Platz auf dem Treppchen möglich sein sollte, was für Skeptiker allerdings eine zu hohe Erwartungshaltung war. Sie gaben sich mit dem Erreichen der Playoffs zufrieden.
Was Trainer Urs Bürgler mit seinem Team geleistet hat, das war schon bemerkenswert. Doch ist auch ein kritisches Hinterfragen wichtig, warum es nicht zum Titel gereicht hat. Beim genauen Hinschauen der Ergebnisse zeigt sich, dass der Grecostil nach wie vor die Schwachstelle von Einsiedeln ist. Die harte Realität im Final hält allen den Spiegel vor. Es braucht eine reflektierte und tiefgründige Analyse. Dabei müssen auch Unannehmlichkeiten angesprochen werden, denn sonst droht früher oder später ein Erwachen. Im jetzigen Reinheft lassen sich einige Tolggen finden. Doch vorerst gibt es wieder freie Samstage, bevor wieder ein neues Kapitel geschrieben wird.
Werner Schönbächler
