Swiss Winforce League, Rückkampf 3./4. Platz: Kriessern – Einsiedeln

Trotz der schwierigen Ausgangslage nach dem Hinkampf wollen die Einsiedler ihr Schiff auch in stürmischen Zeiten auf Kurs halten. Das rettende Ufer ist aber sieben Punkte entfernt.

W.S. Nach einer Niederlage im Sport wird eigentlich überall gehadert, geflucht, gegrollt und gezürnt. Oder doch mindestens nach der einen oder anderen Ausrede gesucht, Pech beklagt und über die Unparteiischen lamentiert. Und jedes zweite Wort ist «hätte», «könnte», «müsste» oder «wäre». Bei den Einsiedler Ringern war es nach der Niederlage gegen Kriessern etwas anders. Der Sieg von Kriessern war gerecht: Die Gäste waren eben besser, die Einheimischen brachen insgesamt zu wenig Stichhaltiges auf die Matte, kämpften zwischendurch zu wenig effizient, um der Partie eine andere Richtung geben zu können, sie waren zu harmlos. «Wir konnten lange Zeit mithalten, waren ebenbürtig», hebt Einsiedelns Trainer Urs Bürgler das Positive hervor. In Anbetracht von zwei eher unerwarteten Schulterniederlagen war die Leistung von Einsiedeln gegen Meister Kriessern durchaus bemerkenswert. Kriessern hat besonders in der Schlussphase das Pendel auf ihre Seite kippen können. Die Rheintaler schalteten und walteten plötzlich, so wie man es als Meister halt aus dem Ärmel schütteln kann – davon waren die Einsiedler plötzlich weit weg. Eine Überraschung, die nach sieben Duellen noch in der Luft lag, rückte immer mehr in weite Ferne. Einsiedeln war in den Offensivbemühungen einfach zu schwach. Es gibt also Gründe, warum Einsiedeln verloren hat. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Das war am letzten Sonntag.

Noch einmal zupacken

Deswegen lässt man sich auf der Einsiedler Seite nicht runterkriegen. Trainer und Ringer gehen ihren Weg weiter und werden versuchen im Rückkampf mutig aufzutreten. Es ist ja nicht besonders einfach, nach einer Niederlage mit einem Rückstand von sieben Punkten wieder auf die Füsse zu kommen. Kriessern wird sich nicht zurücklehnen und für den Match vor dem eigenen Publikum parat sein.

Bei den Rheintalern war die Stimmung nach dem Sieg verständlicherweise ausgelassen, aber nicht euphorisch. Sie brauchten zwar lange, bis sie in die Gänge kamen, doch sie konnten in kritischen Phase zulegen. «Wir sind auf Kurs, dennoch erwarte ich noch ein hartes Stück Arbeit bis zum Gewinn der bronzenen Auszeichnung», glaubt Kriesserns Trainer Hugo Dietsche. Während für die Sankt-Galler vor eigenem Publikum ein Sieg Pflicht ist, wollen die Einsiedler Ringer zum Saisonabschluss eine gute Visitenkarte abgeben. Sie werden dafür nichts unversucht lassen, um das Unmögliche wahr  machen zu können.

Der Kampf in Einsiedeln war schon ganz schön spannend. Der alles entscheidende Rückkampf verspricht noch einmal eine Steigerung, denn jetzt fällt die endgültige Entscheidung. Gerade in den Playoffs zieht das Mannschaftsringen die mehreren hundert Zuschauer in vollbesetzten Hallen in ihren Bann. Den ersten Finalkampf zwischen Freiamt und Willisau verfolgten 1’500 Zuschauer. Es geht nicht nur um Siege oder Niederlagen in den zehn Kämpfen in Griechisch-Römisch oder Freistil, sondern auch um die Punktedifferenzen in den einzelnen Duellen. So quälen sich die Athleten trotz klarer Führung bis zur vollkommenen Verausgabung, um ihren Teams für die Gesamtwertung wertvolle Punkte zu bescheren. «Totales» Ringen ist anspruchsvoll, erfordert eine hohe «Kampfbereitschaft» jedes Einzelnen, um während des sechsminütigen Kampfes ständig «unter Strom» zu sein. Doch gelingt es manchmal nicht, eine Partie konstant auf gleich hohem Niveau durchzuringen. Doch streben alle Teams der höchsten Ringerliga diesen anspruchsvollen Stil an.

Die Begegnung findet am nächsten Sonntagnachmittag, Beginn, 14 Uhr, in der Mehrzweckhalle Kriessern statt. Die Ringer hoffen zum Abschluss noch einmal auf zahlreiche Unterstützung zählen zu dürfen.

Werner Schönbächler